Todesangst auf der Autobahn
Da ich ja hier schon des Öfteren über mein Leiden geschrieben habe und es Euch bestimmt interessiert, wenn ihr auch von Panikattacken heim gesucht werdet, berichte ich heute wieder mal aus der Welt eines Panikattackierten.
Das Erlebnis liegt nur wenige Tage zurück und trug sich an Christi Himmelfahrt (21: Mai 2009) zu. Wir fuhren in den 80 Kilometer entfernten Spessart, um eine Freundin zu besuchen.Autofahren als Beifahrer auf der Autobahn, bedeutet für mich meistens HORROR. Bei der Hinfahrt herrschte auf der 66 Feiertagsgetümmel. Entweder die Autos fuhren mit 190 km/h links an uns vorbei, oder scherten von der rechten Spur mit niedrigster Geschwindigkeit und ohne Schulterblick aus. (OK, ich kann kein Auto fahren, leide aber mehr als der Fahrer. Eben der schlechteste Beifahrer, den sich ein Autofahrer wünschen kann.)Ich schaue dann immer durch das Fenster rechts und nicht nach vorne, weil ich nicht möchte, dass sich meine Angst auf den Fahrer überträgt, doch meistens gelingt mir das nicht. Und ich rufe: „Kuck, Schatz. Der fährt bestimmt gleich raus.“ – was der auch prompt macht, worauf ich mich mit aller größter Kraft am Haltegriff in der Beifahrertür festklammer und es im ganzen Körper nur so bitzelt vor Panik.
Wir kamen gut im Spessart an, blieben bis zum Abend, hatten es gemütlich dort, wo wir waren, doch plötzlich wurde ich unruhig. Die Sonne schien dort noch wunderbar, aber kleine Wölkchen türmten sich hier und da schon auf. Ich schlug vor, die Hühner zu satteln und uns auf den Heimweg zu machen (das ist bei mir neu, meistens schieb ich die Heimfahrt so fern sie auf einer Autobahn statt findet so weit auf wie möglich.)
Wir stiegen also in unser Töfftöff, begaben uns auf eine wie leer gefegte 66. Die Fahrt ging ohne Fingergegribbel ganz locker vonstatten. Dann bogen wir auf die A 3. Da war ein bisschen mehr los, aber auch nicht beunruhigend viel. Plötzlich wurde es im Schnellraffer immer dunkler und dunkler. Schließlich kam das, was ich zuhause sogar liebe. Es blitzte. Es donnerte. Ich freute mich sogar. Doch, jetzt kommt´s: Plötzlich fing es von sofort auf gleich dermaßen an zu regnen, dass du das Gefühl hattest, es regnet Wasserfälle. Hätte ich meine Fantasie zu diesem Zeitpunkt aktivieren können, hätte ich mich in eine Kajüte auf einem Ozeandampfer gebeamt, an dessen Luken das Meer im Sturme dran klatscht. Du hast einfach nur Wassermassen gesehen und sonst nix. Die Scheibenwischer tanzten wie Derwische. Vor uns die Bremslichter des Vordermanns. Von 100 km/h auf 40 km/h. Gott sei Dank hat mein Schatzi die Bremslichter früher gesehen als ich. Die Leute fuhren alle auf der A 3 im Schritt-Tempo praktisch. Mein Herz klopfte mir fast bis aus dem Hals raus. Ich bewundere mein Schatzi. Schatzi behielt nämlich die Nerven und händelte die Sache souverän. Nach einigen grausligen Minuten wurde es besser. Ich betete, dass die Wassermassen aufhören mögen zu flatschern und die Bitte wurde sofort erhört. Es nieselte. Wir hatten nur noch ein bisschen mit Aquaplaning zu tun, kamen aber vollständig und gut erhalten zuhause an. Was für eine Fahrt!



